Inflation: Als Rechnungen mit Schubkarren voller Geld bezahlt wurden - Alte Geldscheine verkaufen
370
post-template-default,single,single-post,postid-370,single-format-standard,ajax_fade,page_not_loaded,,select-theme-ver-4.4.1,smooth_scroll,wpb-js-composer js-comp-ver-5.4.7,vc_responsive

Inflation: Als Rechnungen mit Schubkarren voller Geld bezahlt wurden

Alte Geldscheine und Banknoten InflationDie Inflation von 1923, das war die Zeit, in der Pfarrer nach dem Gottesdienst die Kollekte mit einem Waschkorb einsammelten, Schuldner ihre Rechnungen mit Schubkarren-Ladungen voller Geld bezahlten und das Essen in einem Lokal am Ende doppelt so viel kostete wie bei der Bestellung 30 Minuten zuvor. Die verrückteste Zeit des 20. Jahrhunderts – mal von den Wirren der Kriege abgesehen – hat alle, die sie durchlitten, Zeit ihres Lebens vor einer neuen Geldentwertung zittern lassen. Denn beim galoppierenden Verfall der Währung verarmten große Teile der Bevölkerung.

Gewinner und Verlierer der Hyperinflation

Um den stets steigenden Geldbedarf zu decken, arbeiteten am Ende neben der deutschen Reichsbank 133 Privatdruckereien und 30 große Papierfabriken rund um die Uhr. Insgesamt wurden 10 Milliarden staatliche Inflationsscheine ausgegeben mit einem Nennwert von gigantischen 1,24 Trilliarden Mark – einer Zahl mit 22 Ziffern. Während viele Familien ihren ganzen Besitz verloren, waren Großindustrielle, die hohe Schulden machten und am Ende fast nichts zurückzahlen mussten, die großen Gewinner. Und so ganz nebenbei auch die Papiergeldsammler, die ein gigantisches Spektrum an unterschiedlichen Banknoten vorfanden.

Schuld an dieser fatalen Entwicklung war der 1. Weltkrieg, in den sich Deutschland stürzte, obwohl es sich diesen überhaupt nicht leisten konnte. Nur für wenige Tage reichte das Geld des Staates angesichts der hohen Ausgaben für Waffen, Munition, Soldaten, Transport – doch der Krieg dauerte vier Jahre. Die Materialschlachten kosteten Millionen von Menschenleben und führten zur bis dahin größten Geldvernichtung der Menschheitsgeschichte. Der fatale Fehler der deutschen Reichsregierung war, dass sie vom Sieg überzeugt war und den Gegner die Zeche des Krieges zahlen lassen wollte. Doch am Ende kam es genau umgekehrt: Deutschland ging an den sogenannten Reparationskosten der Siegermächte über die folgenden Zwanziger Jahre hinweg in die Knie.

Die Preise steigen und steigen

Schon vor Beginn des sich immer stärker abzeichnenden 1. Weltkrieges hatte die deutsche Bevölkerung im Juli 1914 bereits  Goldmünzen im Wert von 100 Millionen Mark von den Reichsbankkassen abgezogen. Als Reaktion darauf wurde die Goldwährung am 4. August 1914 mit dem Ermächtigungsgesetz praktisch aufgehoben. Schuldverschreibungen und Darlehenskassenscheine waren Ausdruck vermehrter Geldmengen. Da immer weniger Waren auf dem Markt waren, nahmen Preissteigerungen enorm zu, der Dollarkurs stieg auf dem Devisenmarkt unaufhörlich.

Es entwickelte sich ein Teufelskreis. Immer mehr Geld war bald immer weniger wert, Preise und Löhne explodierten. Die Reichsmark war zum Spielgeld geworden. Wer seinen Lohn nicht gleich nach Erhalt wieder ausgab, konnte sich schon Stunden später kaum mehr etwas davon kaufen. Im Juni kostete ein Ei noch 800 Reichsmark, am 2. Dezember 320 Milliarden. Selbst Immobilien verloren drastisch an Wert, wurden bei Notveräußerungen oft verschleudert. Saniert waren dagegen die Schuldner. Wer sich etwa 1921 für ein Haus oder andere große Anschaffung in hohe Verbindlichkeiten gestürzt hatte, der war über Nacht seine Schulden los.

Der unglaubliche Preisverfall

Am 9. Juni 1923 kostete in Berlin:

  • 1 Ei – 800 Reichsmark
  • 1 Liter Milch – 1440 Reichsmark
  • 1 Kilo Kartoffeln – 5000 Reichsmark
  • 1 Straßenbahnfahrt – 600 Reichsmark
  • 1 Dollar entsprach 100.000 Reichsmark.

 

Am 2. Dezember 1923 kostete in Berlin:

  • 1 Ei – 320 Milliarden Reichsmark
  • 1 Liter Milch – 360 Milliarden Reichsmark
  • 1 Kilo Kartoffeln – 90 Milliarden Reichsmark
  • 1 Straßenbahnfahrt – 50 Milliarden Reichsmark
  • 1 Dollar entsprach 4,21 Billionen Reichsmark.

 

Die Währungsreform beendet die Hyperinflation

Lange wusste die Politik keinen Rat, wie man diesem Fiasko Herr werden sollte. Die Lösung war am 15. November 1923 die Währungsreform, die die Inflation zusammen mit einem Bündel weiterer finanztechnischer Maßnahmen endlich beendete. Im Zuge des komplizierten Stabilisierungsprogramms hatte die Deutsche Rentenbank ein Grundkapital von 3,2 Milliaren Rentenmark durch Aufnahme einer Grundschuld von Landwirtschaft, Industrie, Handel und Gewerbe erhalten. Der Kurs für einen Dollar wurde auf 4,2 Billionen Papiermark (!!) festgesetzt, nach neuer Währung waren das 4,20 Rentenmark. Die Allierten genehmigten wieder eine unabhängige deutsche Notenbank. Im Oktober 1924 durfte die Reichsbank wieder die Reichsmark einführen und der Staat war seine Schulden praktisch los: Die gesamten Kriegsschulden von 164 Milliarden Mark schrumpften durch die Währungsumstellung auf 16,4 Pfennige.

Nach den katastrophalen wirtschaftlichen Folgen der Inflation änderten die Alliierten ihre Politik gegenüber dem Deutschen Reich. Ihnen wurde bewusst, dass nur ein wirtschaftlich gesundendes Deutschland umfassende Reparationszahlungen leisten konnte. Die Amerikaner installierten damals wie später auch nach dem 2. Weltkrieg eine Art „Marshallplan“ und Mitte der Zwanziger Jahre erholte sich die Wirtschaft. Die Menschen, kriegs- und politikmüde – suchten positive Ablenkung. Am Ende wurden es noch die berühmten Goldenen Zwanziger, bei denen Glamour und Unterhaltung hoch im Kurs standen.

Banknoten der Inflation: Beliebt bei Sammlern

Begleiterscheinung der Inflation und der schlechten Zeit, die direkt mit dem 1. Weltkrieg begann, war zur Freude von Papiergeldsammlern eine Flut an Banknoten verschiedenster Art. Das erste wurde schon 1914 gedruckt. Der wegen enormer Kriegskosten klamme Staat zog damals höherwertiges Metall aus dem Verkehr und sorgte so für eine eklatante Knappheit an Kleingeld, die 1915/16 durch Gedrucktes beseitigt werden sollte. Über 2000 kommunale und private Ausgabestellen brachten damals meist kleine Pfennig-Werte in Umlauf, die sogenannten Verkehrsausgaben. Doch weil viele Gefallen an zum Teil sehr schön gestalteten Scheinen hatten, verschwand vieles davon in Alben. Darum gab es wenig später die meist mit schönen Motiven aufwartenden Serienscheine ohne Kaufkraft, nur gedacht zum Sammeln.

Es folgten das sogenannte Städte-Großgeld 1918-21, höhere Nominale 1922 und im Jahr der Hochinflation 1923 aberwitzig viele Millionen-, Milliarden- und Billionen-Scheine verschiedenster staatlicher, regionaler, lokaler und privater Ausgabestellen. Viele Heimatsammler stürzten sich auf das lokale Notgeld. Vieles wurde später zwar im Krieg vernichtet, landete als wertlos angesehen auf dem Müll oder später als sogenanntes „China-Geld“ tonnenweise in Asien. Aber fast 100 Jahre nach der Inflation tauchen noch heute noch oft größere Bestände des Geldes auf, an dessen Wertverlust man damals schier verzweifelte.

 

Alte Geldscheine verkaufen

Sie möchten Ihre alten Banknoten, Geldscheine oder altes Papiergeld verkaufen? Haben Sie einen Nachlass erhalten, möchten Ihre Sammlung auflösen oder wieder mehr Platz im Keller oder auf dem Dachboden haben? Banknoten-Ankauf.de ermittelt für Sie kostenlos den Wert Ihrer alten Geldscheine und Banknoten.



Alte Geldscheine schätzen lassen und verkaufen